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„Ein wesentliches Format für Technologietransfer ist die Vernetzung im Rahmen der Gremienarbeit.“

futureSAX-Interview mit Prof. Dr. Thomas Neumuth, stellv. Geschäftsführer, Innovationszentrum für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS)

 

futureSAX: Herr Prof. Neumuth, das Innovationszentrum für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS) entwickelt digitale Technologien für zukünftige klinische Anwendungen. Bitte beschreiben Sie kurz die Forschungsschwerpunkte und Kernkompetenzen des ICCAS.

Prof. Dr. Thomas Neumuth: Das ICCAS entwickelt Technologien an der Schnittstelle zwischen Medizintechnik, Medizininformatik und medizinischer Anwendung. Die Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung von Informationssystemen, die den Kontext, in dem sie angewendet werden, kennen und entsprechend das klinische Personal geeignet unterstützen können. Das sind z. B. intelligente Operationssäle, die vorausahnen, was die nächsten Arbeitsschritte der Operierenden sein werden, um technische Systeme beispielsweise zu parametrisieren und Informationen aufzurufen. Das sind aber auch neue Verfahren für nichtinvasive Diagnostik und Therapieformen, die weniger invasiv sind als bisher existierende, konventionelle Therapieformen.

Wir beschäftigen uns zusätzlich mit der Mobilisierung und Virtualisierung von medizintechnischen Systemen. Hier steht das Thema herstellerübergreifender Vernetzung von Geräten im Vordergrund, das wir jetzt seit mehr als zehn Jahren bearbeiten. Hinzu kamen in den letzten Jahren auch Fragestellungen rund um den Einsatz von 5G in der Medizin.

Die Kernkompetenzen des ICCAS sind die Bedarfserhebung mit den Klinikerinnen und Klinikern, das Design der Systeme, der Prototypen sowie Entwicklung und die klinische Evaluation bis hin zur Durchführung von klinischen Studien. Das Ganze wird begleitet durch einen Qualitätsmanagementprozess nach Medizinprodukterichtlinie, d. h. das ICCAS ist auch entsprechend zertifiziert, sodass die Forschungsergebnisse durch die Unternehmen, die in der Wertschöpfungskette nachgelagert sind, direkt übernommen und überführt werden können.

 

futureSAX: Das ICCAS wurde im Jahr 2005 im Rahmen der BMBF-Förderinitiative „Unternehmen Region“ gegründet. Wie gestaltet sich heute die Zusammenarbeit mit regionalen und überregionalen Unternehmen?

Prof. Dr. Thomas Neumuth: Das ICCAS hat mittlerweile eine deutlich sichtbare nationale und europäische Ausstrahlung erreicht. Wir arbeiten primär mit Unternehmen im Medizintechnik-Sektor zusammen, die eigentlich bundesweit verstreut sitzen, d. h. auch überregional tätig sind, ihre Produkte aber weltweit vertreiben. Für die Unternehmen sind wir meist als Partner für die Vorentwicklung von neuen Technologien tätig.

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Wenn im smarten OP-Saal der Datenaustausch hersteller- und geräteübergreifend funktioniert, ist das auch ein Verdienst des Innovationszentrums für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS). Beim Sächsischen Transferforum am 3. November 2020 wird Prof. Dr. Thomas Neumuth, stellv. Geschäftsführer als Mitglied der Paneldiskussion über seine erfolgreichen Transfer-Projekte sprechen. Im futureSAX-Interview gibt er vorab Einblicke die Forschungs- und Transferarbeit des seit 2005 wirkenden Innovationszentrums.

 

 

futureSAX: Herr Prof. Neumuth, welches Verständnis von Transfer hat das ICCAS und welche Formate und Instrumente nutzen Sie hierfür?

Prof. Dr. Thomas Neumuth: Wir haben in den letzten Jahren verschiedene Formate und Instrumente für den Transfer von Technologien entwickelt. Hierzu gehören die Bereitstellung von Laborumgebungen für technische Systeme zur Durchführung herstellerübergreifender Tests, aber auch insbesondere der Zugang zu den klinischen Partner-Einrichtungen und den klinischen Know-how-Tragenden an den Partnerkliniken. Ein weiteres wesentliches Format ist die Vernetzung im Rahmen der Gremienarbeit. Wir sind sehr aktiv in verschieden, auch bundesweiten, Gremien, z. B. in verschiedenen Formaten der einschlägigen Fachgesellschaften oder von beratenden Gremien, z. B. im Experten-Panel der Europäischen Kommission für Medizingeräte. Dies sind alles Netzwerkformate, wo wir natürlich auch entsprechend bundes- und europaweit ausstrahlen und wir auch Themen und Akzente setzen können.

 

futureSAX: Der Transfer von der medizinischen Spitzenforschung in die wirtschaftliche Anwendung ist ein langfristiger Prozess. Welche Erfolge konnten Sie im Transfer in den letzten 15 Jahren schon erzielen?

Prof. Dr. Thomas Neumuth: Die besonderen Erfolge in den vergangenen Jahren sind in vielen Bereichen erreicht worden, z. B. im Bereich der Ausgründung. Eines unserer Unternehmen, die Phacon GmbH, die sich mit dem 3D-Druck von chirurgischen Trainingssystemen beschäftigt, existiert jetzt mittlerweile seit 13 Jahren am Markt. 2007 konnte Phacon den Sächsischen Gründerpreis (damals noch unter dem Namen futureSAX-Businessplan Wettbewerb) gewinnen und hat seitdem eine tolle Entwicklung hingelegt. Wir haben sehr große Beiträge zum Thema Interoperabilität und Vernetzung von Medizingeräten geleistet. Es gab ein großes Projekt mit dem Namen OR.Net, welches, vom BMBF gefördert, alle deutschen Hersteller von chirurgischer Technik an einen Tisch gebracht hat und sich diese Hersteller darauf geeinigt haben, wie eine gemeinsame Sprache entwickelt werden kann, dass die Systeme während der OP Daten austauschen können. Wir waren in diesem Projekt der Hauptdemonstratorstandort für den intelligenten OP-Saal. Als neueste Aktivität sind wir eines der Gründungsmitglieder der 5G Health Association, die sich um die Anwendung von 5G-Technologien im Gesundheitswesen der Zukunft kümmern wird.

 

futureSAX: Herr Prof. Neumuth, das ICCAS forscht und arbeitet an der Schnittstelle von Medizin, Ingenieurswissenschaften sowie Informations- und Kommunikationstechnik. Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach branchenübergreifende Plattformen wie futrueSAX für den Wissens- und Technologietransfer?

Prof. Dr. Thomas Neumuth: Branchenübergreifende Plattformen haben aus meiner Sicht als wesentliche Funktion, den Transfer von Know-how zwischen den Branchen zu unterstützen. Viele Einzeltechnologien, viele Funktionen, viele Ansätze zur Problemlösung existieren meist bereits in anderen Branchen. Aufgabe dieser branchenübergreifenden Plattformen ist es, zu schauen, ob diese Problemlösung, diese Ansätze, diese Technologien übertragen werden können, bspw. aus der Luft- und Raumfahrt in die Medizintechnik hinein oder aus der Medizintechnik in die Automobilindustrie, denn oftmals ähneln sich die grundsätzlichen technischen Probleme in den Bereichen stark.

 

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

 

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Seit sechs Jahrhunderten bereichert die Universität das geistige und kulturelle Leben der Stadt Leipzig. 1409 gegründet ist sie mit ununterbrochenem Lehr- und Forschungsbetrieb die zweit älteste Universität in Deutschland. Heute strebt die Universität Leipzig als traditionsreiche und zugleich moderne Volluniversität einen führenden Platz unter den deutschen Universitäten an. Die 14 Fakultäten mit ihren 150 Instituten setzen auf fächer- und fakultätsübergreifende Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. Als Volluniversität verfügt die Universität Leipzig über ein breites Forschungsspektrum in den Lebenswissenschaften, den Geistes- und Sozialwissenschaften und den Naturwissenschaften. Sie betreibt interdisziplinär Grundlagen- und angewandte Forschung und hat sich zu einem Wissens- und Technologietransferpartner auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene entwickelt. Besondere Stärken liegen in den Bereichen Globale Interaktion, Biomedizin, Intelligente Materialien, Biotechnologie, Mathematische Wissenschaften und Biodiversität. Mehr zum Innovationszentrum für Computerassistierte Chirurgie (ICCAS) erfahren Sie hier: – www.iccas.de

 

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