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„futureSAX ist sowohl für Institute und Hochschulen als auch für die regionalen Firmen wichtig.“

Prof. Dr. André Anders, Direktor Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e.V. im futureSAX-Interview

 

futureSAX: Das Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM) wurde 1992 gegründet, um anwendungsorientierte Grundlagenforschung zur Wechselwirkung von Strahlung mit Materie zu betreiben. Prof. Anders, bitte erläutern Sie kurz, welche Forschungsschwerpunkte am Institut verfolgt werden.

Prof. Anders: Zunächst sollte ich erklären, dass die etwas abstrakt klingende Terminologie „Wechselwirkung von Strahlung mit Materie“ recht praktisch zu verstehen ist: Das Institut benutzt Strahlen, und hier meinen wir neben Lichtstrahlen (wie Laser) vor allem Elektronen- und Ionenstrahlen, die auf feste Stoffe gerichtet werden, um diese gezielt für ausgewählte Anwendungen zu verändern.  Oberflächen und oberflächennahe Schichten von Feststoffen spielen in sehr vielen Anwendungen eine Rolle, da ja jeder Körper über seine Oberfläche mit der Umgebung in Verbindung steht.  Unsere Aufgabe besteht also darin, die wichtigen Anwendungsfelder zu bestimmen, um durch unsere Forschung dort den gewünschten Nutzen zu erzielen.  Um auf ihre eigentliche Frage zurückzukommen: Welches sind die Forschungsschwerpunkte?  Wir arbeiten primär in 5 Bereichen an der Herstellung (1) von Ultrapräzisionsoberflächen, also Oberflächen, die eine Genauigkeit bis in den Nanometer- und sogar Sub-Nanometerbereich haben, (2) von dünnen Barriereschichten gegen Wasser, Sauerstoff, und in der Zukunft auch solche, die in der Wasserstoffökonomie gebrauch werden, (3) von Oberflächen, die in der Biomedizin Anwendung finden werden, (4) von porösen Membranfiltern, mit denen man z.B. Trinkwasser besser aufbereiten kann, und (5) von Oberflächen, die in modernen Sensoren zu Einsatz kommen 

futureSAX: Welchen Einfluss hat IOM auf die regionale Innovationskraft und insbesondere den Transfer von der Forschung in die unternehmerische Praxis?

Prof. Anders: Das Leitbild des IOM definiert neben dem Wissensgewinn die Erarbeitung innovativer Entwicklungen und deren nachhaltigen Transfer in die industrielle Anwendung als eine gleichberechtigte Zielgröße für das Institut.  Ziel ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der kooperierenden Unternehmen.  In der Tat ist das IOM ein Leibniz-Institut, das sich durch eine in vielen Jahren entwickelte Transferkultur auszeichnet.  Das betrifft sowohl bilateral Kooperationen mit Industriebetrieben als auch die Mitarbeit in Konsortia wie z.B. das Konsortium „Gravomer“, das im Rahmen der regionalen Wir!-Förderung durch das BMBF ins Leben gerufen wurde. Gravomer koordiniert die anwendungsbezogene Entwicklung von intelligenten Funktionen für Oberflächen, wobei hier topologische und chemische Eigenschaften eingeschlossen sind.  Das IOM hat damit regionale und überregionale Bedeutung. 

ZUR ANMELDUNG


Nachhaltiger Transfer ist im Leitbild des Leibniz-Instituts für Oberflächenmodifizierung fest verankert und wird in einer mehrjährig entwickelten Transferkultur gelebt. Prof. Dr. André Anders, Direktor des Leibniz IOM, wird beim Sächsischen Transferforum seine Transfererfahrungen im Rahmen einer Keynote vorstellen. Im Vorab-Interview gibt er Einblicke in die Transferaktivitäten des Instituts.

 

 

futureSAX: Das IOM betreibt aktiven Wissens- und Technologietransfer und blickt auf eine Reihe von Ausgründungen zurück. Geben Sie uns bitte zwei Beispiele für einen erfolgreichen Transfer.

Prof. Anders: Mit den Ausgründungen der Firmen „Trionplas“ und „qCoat“ setzt das IOM seine Serie von erfolgreichen Ausgründungen fort. Seit 1998 wurden bereits fünf Unternehmen ausgegründet. Die Unterstützung von Ausgründungen, die sich am Markt mit innovativen Ideen etablieren wollen, ist Teil der Transferstrategie des IOM und findet im Rahmen der „Leitlinien zur Unterstützung von Mitarbeiterausgründungen“ der Leibniz-Gemeinschaft auch Unterstützung durch das Kuratorium des IOM.  Aber um der Frage nach den zwei Beispielen nachzukommen:

Trionplas Technologies GmbH: Die im Februar 2017 von Mitarbeitern des IOM gegründete Spin-off-Firma entwickelt Prozesse zur Herstellung optischer Elemente und nutzt dabei plasmachemische und ionenstrahlbasierende Prozesse, um Optiken für die Laser- und Halbleiterindustrie zu fertigen. Geschäftsführer des Unternehmens ist Herr Dipl.-Phys. Hendrik Paetzelt.

qCoat GmbH: Nachhaltige und ressourcenschonende Wasserreinigung mittels Membranveredelung ist ein Ziel des im Mai 2019 gegründeten Start-ups. Sauberes Wasser ist ein zunehmend wichtiger Bereich nicht nur in Entwicklungsländern oder in Dürregebieten, sondern auch hier bei uns in Deutschland.  Gründer der qCoat GmbH sind Frau Dr. Agnes Schulze vom IOM sowie die Geschäftsführer und ehemaligen Mitarbeiter des IOM Herr Dr. Alexander Braun und Herr Dr. Karsten Otte.

 

futureSAX: Wie kann Ihrer Meinung nach der Wissens- und Technologietransfer von der Forschung in die Anwendung noch besser unterstützt werden und welche ungenutzten Transferpotenziale sehen Sie in Sachsen?

Prof. Anders: Das bereits erwähnte, vom BMBF geförderte Bündnis „GRAVOMER – Kompetenzregion mikrostrukturierte Funktionsoberflächen“ ist ein ausgezeichnetes Beispiel, wie Kompetenzen, die an einem Institut wie dem IOM entwickelt werden, regionalen Partnern dargestellt und deren Nutzung so erst ermöglicht werden. Hier geht nicht nur um direkten Technologietransfer, sondern um Bündnisse, die auch Anwendungs- und Bildungskompetenzen vermitteln und weiterentwickeln. Gemeinsam verfolgen die Bündnispartner das Ziel, das Kompetenznetzwerk für die anwendungsbezogene Gestaltung von Oberflächen im industriellen Maßstab in der Region zu verankern und dessen regionale und internationale Sichtbarkeit zum Nutzen der Partner zu erhöhen.  Mit anderen Worten, eine gezielte Förderung von Initiativen wie diese, die damit eine bessere Vernetzung von Hochschulen, Instituten, und Firmen, insbesondere KMUs ermöglicht, sorgt für die Ausnutzungen von Transferpotenzialen, die sonst vielleicht gar nicht erkannt werden.  Wenn man dies im Landesmaßstab Sachsen betrachtet, hat futureSAX hier eine wichtige Aufgabe. 

 

futureSAX: Das IOM arbeitet und forscht an Technologieplattformen, deren weitreichendes Anwendungspotential gegebenenfalls noch nicht absehbar ist. Prof. Anders, wie wichtig sind daher ihrer Meinung nach branchenübergreifende Plattformen wie futureSAX für den Wissens- und Technologietransfer?

Prof. Anders: Das IOM hat einerseits langjährige Erfahrung in der industriellen Zusammenarbeit mit etablierten Partnern, andererseits besteht Bedarf seitens der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich zu orientieren, um potenzielle neue Anwendungsfelder ihrer Forschung zu bestimmen.  Oder anders ausgedrückt: Um zu wissen, wo die Anwendungen für ihre „anwendungsorientierte Forschung“ liegen, brauchen wir Forscher Plattformen wie futureSAX:  Sie helfen Forscher und Anwender zusammenzubringen, Wissen und Technologien den potentiellen Anwendern zugänglich zu machen, Wege zu Fördermaßnahmen zu finden, und gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte bis hin zu Pilotanlagen zu ermöglichen.  Eine Plattform wie futureSAX ist damit sowohl für Institute und Hochschulen als auch für die regionalen Firmen wichtig. 

 

futureSAX:  Vielen Dank für das Interview.

Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e.V.
Das IOM beschäftigt sich mit anwendungsorientierter Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Wechselwirkung von Strahlung mit Materie. Die Kernkompetenzen sind neben der Aufklärung von physikalischen und chemischen Wechselwirkungsprozessen im Wesentlichen die Modifizierung und Entwicklung von ultrapräzisen und funktionalen Oberflächen und dünnen Schichten mittels Ionen-, Elektronen-, Laser- und Plasmatechnologien sowie deren Charakterisierung. Der nachhaltige Transfer von Verfahren und Produkten in wirtschaftsrelevanten und zukunftsweisenden Technologiefeldern ist Ziel der Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Mehr zum Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung e.V. finden Sie hier: www.iom-leipzig.de

 

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